
AUSGABE #1
Willkommen zur ersten Ausgabe vom Beyond the Bid Radar. Hier bekommst du alle zwei Wochen meinen ungefilterten Blick auf Amazon Ads - einen Insight, eine Taktik, eine Meinung. Kompakt, direkt, ohne Umwege.
Viel Spaß damit!
Flo
AUF DEM RADAR
AI Agents können jetzt Amazon Ads steuern. Und?

Seit Februar gibt es den offiziellen Amazon Ads MCP Server. Eine Schnittstelle, über die AI Agents direkt Kampagnen erstellen, Gebote anpassen und Reports ziehen können. Ganz easy per Textbefehl.
Gleichzeitig rollen Anthropic, OpenAI und andere autonome Agents aus - Systeme, die nicht nach einem Prompt aufhören, sondern weitermachen bis die Aufgabe erledigt ist.
Die Bausteine für "Amazon Ads auf Autopilot" liegen also auf dem Tisch.
Bauen dann alle ihr eigenes Amazon PPC Tool?
Nee, nicht alle, aber die, die sich mit Amazon Ads auskennen vielleicht schon.
Ein Agent kann eine API bedienen. Er kann Gebote setzen, Kampagnen duplizieren, Reports runterladen. Was er nicht kann (zumindest noch nicht zuverlässig): entscheiden, WARUM eine Kampagne gerade nicht performt und daraufhin die richtige Lösung ableiten. Ob das Problem am Gebot liegt, am Listing, an der Saisonalität oder daran, dass ein Wettbewerber seit zwei Wochen aggressiv auf dein Hauptkeyword bietet.
Die Technologie wird das Doing übernehmen. Das Denken bleibt bei dir - vorerst.
Wer versteht was er tut, wird AI Agents als Hebel nutzen. Wer es nicht versteht, gibt die Kontrolle über sein Werbebudget ab und hofft auf das Beste.
Takeaway: Die Bausteine für AI-gesteuerte Amazon Ads sind da. Aber ohne Strategie und Kontext bringt dir das nix: Ob Kutsche oder Auto - wer nicht weiß wohin er will, dem bringt auch der neue E-Ferrari nix.
AUS DER PRAXIS
Placement Modifier berechnen - auch wenn du zu wenig Daten hast

Gebotsanpassungen nach Platzierung - kurz: Placement Modifier. Die Idee ist simpel: Top of Search performt anders als Rest of Search oder Product Pages. Also solltest du deine Gebote pro Platzierung anpassen.
Die Berechnung dahinter: RPC pro Platzierung berechnen (Revenue per Click, also Umsatz geteilt durch Klicks), mit dem Kampagnen-RPC vergleichen, und die Abweichung in Prozent ist dein Modifier. Bei Sponsored Products hast du drei Placements (TOS, ROS, Product Pages).
Soweit, so einfach. Solange du mindestens ~100 Klicks pro Placement hast. Dann ist die Berechnung relativ belastbar.
Aber was machst du bei Kampagnen mit 30 oder 50 Klicks auf einem Placement?
Das ist die Mehrheit. Und genau da sehe ich in den meisten Accounts eins von zwei Dingen: Entweder gar kein Modifier. Oder ein Copy-Paste-Modifier aus der stärksten Kampagne. Beides ist suboptimal.
Mein Ansatz: Aggregation nach Intent.
Brand-Kampagnen verhalten sich fundamental anders als Non-Brand oder Competitor. Also trenne ich zuerst nach Intent der Kampagnen (Brand, Non-Brand, Competitor) für jedes Produktportfolio. Dann fasse ich alle Kampagnen im gleichen Portfolio je Intent zusammen. Ergebnis: Ein Portfolio-Durchschnitt pro Placement, getrennt nach Intent.

Konkret:
Kampagnen nach Intent taggen (Brand / Non-Brand / Competitor) - das ist Pflicht, egal auf welcher Ebene du aggregierst
Placement-Daten aus dem Bulk Sheet ziehen (Platzierung-Entity, mindestens 30 Tage)
Pro Intent-Gruppe und Placement: RPC berechnen
Abweichung zum Kampagnen-RPC berechnen: (RPC Placement / RPC Kampagne - 1) x 100%
Ergebnis = dein Soll-Modifier. Gecapped bei 0-900% (negativer Modifier geht nicht)
Wichtig: 50-99 Klicks geben dir eine Tendenz. Unter 50 Klicks - lass es. Dann lieber den Portfolio- oder Account-Durchschnitt nehmen als eine Zahl auf wackeligem Fundament.
Wenn auch das Portfolio zu dünn ist: Account-Durchschnitt. Gleiche Logik, gleiche Trennung nach Intent.
Ist das perfekt? Nein. Aber es gibt dir eine datenbasierte Tendenz statt Bauchgefühl. 20 Minuten mit einer Pivot-Tabelle - kein Tool nötig.
EHRLICH GESAGT
Dein ACoS ist niedrig? Bitte nicht!

Ich seh das in fast jedem Account den ich mir anschaue. ACoS bei 8%. Alle happy. "Läuft doch super."
Aber dann schaust du auf den Umsatz. Und der stagniert seit Monaten.
Ein niedriger ACoS heißt oft nur: Du bietest zu wenig. Du gewinnst die billigen Auktionen. Die profitablen Keywords? Vielleicht noch mit Volumen? Da bist du nicht dabei.
Eine einfache Rechnung:
Keyword A: ACoS 6%, 200 Euro Umsatz im Monat.
Keyword B: ACoS 18%, 4.000 Euro Umsatz im Monat.
Welches Keyword willst du?
Der ACoS bei Keyword B ist dreimal so hoch. Aber der absolute Deckungsbeitrag ist es vermutlich auch. Und dein TACoS - der Anteil der Werbekosten am Gesamtumsatz - kann dabei sogar sinken. Weil mehr Ad-Umsatz auch mehr organisches Ranking pusht, was wiederum mehr organische Sales bringt. Jeff hat da schon ein tolles Flywheel gebaut 😉
Deshalb schaue ich nie nur auf den ACoS. Sondern auf den Gesamtumsatz und TACoS. Wenn der stabil bleibt und dein Umsatz wächst, machst du alles richtig. Auch wenn der ACoS mal bei 20% liegt.
Also feier dich nicht für deinen niedrigen ACoS. Er ist oft ein Zeichen dafür, dass du zu vorsichtig bist und Umsätze liegen lässt.
Takeaway: Schau auf den Gesamtumsatz und TACoS, nicht nur den ACoS. Wenn TACoS stabil + Umsatz wächst = 🚀📈
Wenn dir diese Ausgabe was gebracht hat - leite sie an jemanden weiter, der Amazon Ads macht.
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Bis zum nächsten Radar - Flo
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